seite 205:
" leon" sagte sie sanft " ich gehe zurück in dieses gefängnis und komme vielleicht niemals wieder raus. ich will etwas brot"
seine klaren, blauen augen verengten sich, und dann sah sie ihn seine lippen befeuchten.
sie hatte schwiegkeiten zu atmen. es kam ihr in den sinn, dass er sehr schön wäre, wenn er sich nur ein lächeln gestattete, und dann, wie von selbst, füjlte sie, wie ihre lippen sich auffordernd rundeten.
leon wich einen halben schritt zurück, schloss die augen und nickte.
schamesröte schoss ihr ins gesicht. ihre wangen brannten lichterloh. sie hatte tatsächlich einen augenblick lang geglaubt, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte. und er hatte gnädigerweise so getan, als könne er für den moment vergessen, dass eine hälfte ihres gesichts entstellt war. vor lauter demütigung wurd ihr schwindlig.
seite 212-213:
cotty lachte: du magst ihn!"
"tu ich nicht!" protestierte gaia
doch die frauen lächelten jetzt auch, und gaia konnte fühlen, wie ihre wangen warm wurden. " das ist lächerlich" sagte sie " ich kenne ihn kaum. ausserdem weiß ich doch, wie hässlich ich bin"
cotty lehnte ihren kopf entspannent zurück und sah für einen moment richtig gelassen aus.
"weißt du, das dachte ich auch zu erst" sagte sie " aber man gewöhnt sich an dein gesicht. ich sehe jetzt immer die hübsche seite, und die andere verschwindet in so einer art blindem fleck"
die anderen murmelten zustimmend. gaia wollte ihrenohren nicht trauen.
so lange hatte sie mit ihrer hässlichkeit gelebt, hatte sie, wann immer möglich, hinter einem vorhang ihrer haare versteck, dass nie niemals geglaubt hätte, irgendjemand könnte sie hübsch finden.
unwillkürlich rie sie sich leon vor augen, wie er neben ihr herlief, und erkannte, dass er ihre vernarbte seite gewählt hatte. es war nur natürlich, ihre entstellte seite zu vermeiden; das hieß aber noch lange nicht, dass er sie hübsch fand.
selbst, wenn er sie beinah geküsst hätte.
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